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Trainingsratgeber - Folge 1 |
So sehr wir die Fähigkeiten unseres Körpers auch durch Training verbessern können, die Prinzipien nach denen er auf (Trainings-) Reize reagiert, bleiben doch die selben. Beginnen wir also bei den leistungsphysiologischen Grundprinzipien.
| Energiegewinnung |
Energie ist der Anfang von allem. Drei Wege der
Energiegewinnung und drei Brennstoffe (von denen jeweils zwei für den Sport von
Bedeutung sind) stehen dem Körper zur Verfügung. Je nach Distanz und
Geschwindigkeit werden sie ganz unterschiedlich beansprucht. Den Körper dazu zu
bringen den für die jeweiligen Anforderungen richtigen Mix zu verbrennen und
seine Tanks zu vergrößern, ist neben der Verbesserung der
Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit, der Hauptzweck des
Ausdauertrainings. Ausserdem beruht auf der unterschiedlichen Energiegewinnung die Einteilung des Ausdauertrainings in Trainingsbereiche. |
| Grundfertigkeiten |
Die Sportmedizin unterscheidet die
Grundfertigkeiten Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination und
Ausdauer. Jede hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Das schlechte daran: Je nach
Ziel sollten sie alle gezielt trainiert werden, um ein harmonisches Ergebnis
verletzungsfrei zu erreichen (siehe Reaktionsspezifität). Und das Gute: In der
Regenerationsphase der Ausdauer kann sehr gut die Koordination oder die Kraft
trainiert werden (siehe Rhytmik). |
| Methoden |
Für die einzelnen Bereiche der
Trainingsintensität gibt es unterschiedliche Trainingsmethoden. Man
unterscheidet die kontinuierliche und wechselhafte Dauermethode für die
Grundlagenausdauer, die extensive und intensive Intervall- und
Wiederholungsmethode für die Grundlagenausdauer 2 und die Lactattoleranz sowie
die Wettkampfmethode auf die Unterdistanz für die wettkampfspezifische Ausdauer.
Ausserdem gibt es noch das Fahrtspiel als Mischform. |
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Ein Reiz, z.B. eine Trainingsbelastung, muß
eine bestimmte Intenstiätsschwelle überschreiten, um überhaupt eine
Anpassungsreaktion aus zu lösen. | |
| Reaktionsspezifität |
Trainingseffekte gibt es nur in den Bereichen,
in denen auch trainiert wird. Krafttraining bringt keine Ausdauer,
Ausdauertraining keine Sprintleistung, Sprinttraining keine verbesserte
Fettverbrennung. Aus diesem Grund ist die Einteilung des Trainings in
verschiedene Bereiche, die diese unterschiedlichen Fähigkeiten trainieren,
wichtig. Aber: Es gibt besonders im Bereich der Ausdauer auch Transfereffekte. |
| Rhytmik |
Die Anpassungsreaktionen (und damit die
eigentliche Leistungsverbesserung) finden in den Ruhephasen statt. Dabei
brauchen diese Vorgänge je nach vorangegangener Belastung, Trainingszustand und
individueller Veranlagung unterschiedlich lange. Trotzdem gibt es Faustregeln
wie lange man dem Körper zwischen gleichartigen Belastungen Zeit lassen sollte.
Das kann auch einmal heißen "Mut zur Lücke" ! |
| Superkompensation |
Die Grundlage allen Trainings ! Wird eine Funktion des Körpers über das alltägliche Maß hinaus beansprucht, regeneriert sie sich in der Ruhephase danach nicht nur wieder auf das Ausgangsniveau, sondern die Leistungsfähigkeit wird als Anpassung an die erhöhten Anforderungen ebenfalls verbessert. |
| Veranlagung |
Nicht jedem sind die gleichen Voraussetzungen
mit in die Wiege gelegt. Es ist deshalb ganz wichtig sich über die eigenen
Talente im klaren zu sein, um das Beste aus ihnen zu machen. Wie sieht es also
aus mit dem eigenen Motor ? Super oder Diesel - Schnelligkeit oder Ausdauer.
Dabei spielt natürlich auch der Körperbau-Typ eine entscheidende
Rolle. |
Das sind also einige der wichtigsten Grundregeln nach denen unser (mehr oder weniger) durchtrainierter Astralleib auf (Trainings-) Reize reagiert. Die eigentlich konkreten und interessanten Fragen stellen sich aber genau anders herum: Wie sollten diese Reize gesetzt werden, um aus den persönlichen Anlagen das Beste zu machen. Zu diesen Spielregeln kommen wir jetzt.
| Ist-Zustand & Zielbestimmung |
Wo bin ich und was will ich ? Das sind die
Fragen, die ganz am Anfang gestellt werden müssen. Gezielt kann man nur
trainieren, wenn man ein Ziel festgelegt hat. Das gilt sowohl für das
langfristige Training (z.B. für eine bestimmte Wettkampfdistanz) als auch für
jede einzelne Trainingseinheit (z.B. ein langer langsamer Lauf für die
Grundlagenausdauer, intensive Intervalle für die Lactattoleranz oder ein
Techniktraining). Das heißt nicht, daß man nichts anderes mehr machen darf, aber
man sollte Schwerpunkte setzen. Wie man ein einmal festgelegtes Ziel am besten
erreicht, hängt aber natürlich auch von der momentanen Leistungsfähigkeit ab.
Diese sollte daher am Anfang getestet werden. Einerseits um die
Trainingsbereiche fest zu legen und Schwachstellen zu erkennen, andererseits um
später die Fortschritte kontrollieren zu können. |
| Trainingsbereiche & pulsgesteuertes Training |
Um die einzelnen Bereiche der Ausdauer gezielt
trainieren zu können, wird die Intensität in Bereiche eingeteilt. Diese lassen
sich am einfachsten über den Puls bestimmen und kontrollieren. Ganz wichtig: Die
Pulswerte für die einzelnen Bereiche können verschiedenen Sportarten ganz
unterschiedlich sein. Insbesondere beim Skaten in der tiefen Rennhaltung weichen
die Werte wegen der hohen statischen Belastung von Rücken und Oberschenkeln
stark nach oben von denen beim Laufen und Radfahren ab. Deshalb ist für jede
Disziplin ein eigener Test und eine eigene Tabelle unbedingt notwendig. Sonst
läuft man Gefahr sich entweder zu überlasten oder das Training bleibt
wirkungslos. |
| Die Proportionen der
Trainingsbereiche oder Die Mischung machts ! |
Jede Disziplin und jede Distanz hat ihr eigenes
Anforderungsprofil. Je nach den eigenen Zielen, Stärken und Schwächen wird man
unterschiedlich viel in den einzelnen Intensitätsbereichen trainieren. Ganz klar
ein Ultra-Langstreckler trainiert anders als ein Mittelstreckler oder Sprinter.
Dabei die richtige Abstimmung zu finden ist einer der schwersten, aber auch
entscheidensten Punkte in der Trainingssteuerung. Allgemein gilt aber, wie beim
Essen: Von allem für jeden etwas. Und solange man nicht vor hat alle Rekorde zu
brechen, ist es im Zweifel immer sicherer mehr im Grundlagenausdauerbereich zu
trainieren. Denn wer zu schnell und zu hart ran geht ohne die nötigen
Grundlagenausdauer riskiert schneller ein Übertrainingssyndrom als er sich
versieht. Also: Wer schneller trainiert wird nicht unbedingt auch schneller
sondern unter Umständen sogar langsamer. |
| Zyklen und Perioden |
Einer Belastung sollte immer eine Entlastung
folgen. Denn in dieser Phase spielen sich im Körper die anabolen (also
aufbauenden) Vorgänge ab, die in leistungsfähiger werden lassen. Wer also nur
nach dem beliebten Motto "No pain no gain" eine harte Einheit an die andere
reiht ohne sich Zeit zur Regeneration zu lassen bringt sich selbst um den Lohn
seiner Mühen und riskiert ausserdem ernsthafte gesundheitliche Folgen. Aus
diesem Grund wird das Training in unterschiedlich lange Zyklen eingeteilt, wobei
auf jede Belastungsphase eine Regenerationsphase folgt. Dabei hat sich ein 2/1
oder 3/1 Rhythmus besonders bewährt. Also zwei bis drei Tage / Wochen ran an den
Speck und dann ein Tag / Woche reduzierte Belastung. Ausserdem sollte sowohl
inerhalb jedes Zyklus als auch von einem Zyklus / Periode zum Nächsten die
Belastung ansteigen. Je nach Zeitraum unterscheidet man Mikro- (Tage), Meso-
(Wochen) und Makrozyklen (Monate / Jahre). Ausserdem teilt sich jedes
Trainingsjahr in meist vier Perioden ein, die essentiell aufeinander aufbauen.
Die allgemeine und spezielle Vorbereitungsperiode, die Wettkampfperiode und die
Übergangsperiode. Die einzelnen Perioden unterscheiden sich unter anderem im
Verhältnis der Trainingsbereiche, dem Trainingsumfang. Ganz wichtig ist wie
gesagt, daß die Perioden aufeinander aufbauen und deshalb ein ganzjähriges
Training entscheidend für den Erfolg ist. |
| Gesunder Menschenverstand und realistische Selbsteinschätzung |
Bei der ganzen Planerei bekommt man ganz leicht
den Machbarkeitswahn und verliert dabei aus den Augen, daß Sport für die aller
Meisten von uns doch die "schönste Nebensache der Welt" ist. Jeder von uns hat
ein bestimmtes Leitungslimit und je mehr man sich ihm annähert, desto mehr
Aufwand muß für jeden weiteren kleinen Fortschritt getrieben werden. Doch selbst
dann würden eben 90 % von uns (mich selbst eingeschlossen) nie das Level eines
Dirk Breder oder einer Anne Titze erreichen. Wenn man diese Kröte einmal
geschluckt hat, sollte man darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoller ist einen
kleinen Abstand von den eigenen Absolutlimits zu tolerieren und dafür öfter mal
ins Kino zu gehen oder ein gutes Buch zu lesen. Und hier schliesst sich dann
auch der Kreis zur Einleitung: Ohne Spaß am Training kein (persönlicher)
Erfolg. |
© 2007 by Dr. Anne Krieg - Vervielfältigung nur mit Erlaubnis der Autorin.
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